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Natürlich, vegan, organisch, clean: Was bedeutet das eigentlich konkret?

November 14, 2017
Natürlich, vegan, organisch, clean: Was bedeutet das eigentlich konkret?
Wie grün sind deine Kosmetika? Natürlich? Organisch? Vegan? Ethisch korrekt und ohne Tierversuche entwickelt?
Als bewusste Konsumenten von Kosmetika sind die meisten von uns auf der Suche nach sicheren chemiefreien nicht toxischen Hautpflegeprodukten und Make-up. Dementsprechend ist es keine Überraschung, dass “natürliche Kosmetik” weltweit die am schnellsten wachsende Kategorie im Beautygeschäft ist.

“Natur” ist im Zusammenhang mit Kosmetika aber ein breiter, schwammiger Begriff, der schwer zu regulieren ist. Trotz oder gerade wegen dem starken Wachstum gibt es Einwände von Beauty Aktivisten über “Green Washing” von Marken, die sich natürlicher präsentieren als sie eigentlich sind. Konsumenten fallen auf den Halo-Effekt rein. Wenn Marken uns von Inhaltsstoffen wie Hibiscus aus Madagaskar, antiken Gewürzen aus dem Himalaya-Gebirge oder Lavendel aus dem Blumenmeer in der Provence in ihren Pflegeprodukten erzählen, sorgt unsere Vorstellungskraft für den Rest. Wir reisen durch die atemberaubende Natur.

In Wahrheit sind jedoch meist nur maximal bis zu 10% der Inhaltsstoffe in Kosmetik natürlich. Der Rest können Mineralöle oder synthetische Aromen sein. Denn rechtlich ist es erlaubt, den Hauptrohstoff zu vermarkten, der 100% natürlich sein kann. Beschreibungen wie “hergestellt mit” oder “enthält” auf den Labels von Hautpflegeprodukten erzählen nicht die ganze Geschichte. Gleiches gilt auch für hüpfende Hasen auf den Verpackungen. Während diese symbolisieren, dass das Produkt ohne schändliche Tierversuche entwickelt wurden, bedeutet es nicht automatisch, dass sie auch zertifizierte Naturkosmetika sind. Eine Marke mag hohe nachhaltige und ethische Standards wie Fair Trade, Recycling, Unterstützung der lokalen Bevölkerung am Herstellungsort oder Vermeidung von Müll haben und diese auch mit Zertifikaten beweisen können. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die Produkte organisch oder frei von Chemikalien sind. Oft aber assoziieren wir das mit.

Verwirrt? Muss nicht sein. Im folgenden erklären wir euch einige Richtlinien, die bei der richtigen Produktauswahl helfen können.

Natürlich

Natürlich ist alles, was aus der Natur kommt. Pflanzen, Mineralien, Metalle und Tiere. Aus Ihnen allen können Inhaltsstoffe gewonnen werden, die förderlich für Haut und Haar sind und alleine oder in Kombination in der Kosmetik verwendet werden. Ayurveda setzt beispielsweise auf alle vier Quellen, während Hautpflegeprodukte aus Bachblüten auf Blumen und Gewürzen basieren.

Aber es kann auch bedeuten, dass in Hautpflegeprodukten und Make-up Chemikalien mit natürlichen Stoffen ersetzt und – wo möglich – natürliche Zutaten verwendet wurden. Kritisch anzumerken bleibt, dass Hersteller sich mit natürlichen Marken schmücken können, obwohl sie Pestizide und chemische Schädlingsbekämpfungsmittel verwenden oder ihre Anbaumethoden unter Verschluss halten.

Organisch

Organisch ist auch natürlich, bezieht sich jedoch immer auf lebende Organismen: Pflanzen und Tiere. Um sich organisch nennen zu dürfen, müssen strikte Regeln eingehalten und volle Transparenz gewährleistet sein. Zutaten müssen nach organischen Prozessen hergestellt werden: der Boden muss als organisch zertifiziert werden, Pestizide, Toxine und Chemikalien dürfen während dem Anbau nicht versprüht werden. Der heilige Gral von organischem Anbau ist die Verwendung von Solarenergie, recycletem Wasser und Einhaltung von Prozessen mit dem niedrigsten ökologischen Impact. Organische und natürliche Marken müssen frei von Chemikalien, Toxinen wir Parabenen oder SLS, künstlichen Aromen und Farbstoffen sein

Vegan

Vegane Make-up und Hautpflegeprodukte dürfen keine tierischen Stoffe beinhalten. Dies gestaltet sich als schwierig, denn Honig, Molke, Milchsäure, Biotin und Lanolin basieren alle auf Tieren.

So gesehen wären künstliche Inhaltsstoffe vegan, aber Veganer neigen zu organischen Produkten. Vegane Kosmetika sind automatisch frei von Tierversuchen und Tierquälerei. Eine Liste mit alternativen zu tierischen Produkten, die in der Kosmetik verwendet werden, wird von der PETA veröffentlicht.

Clean

Clean, ein weiterer Trendbegriff, geht praktischer voran. Clean bedeutet, dass die maximal niedrigste Anzahl an Inhaltsstoffen verwendet werden, die minimal toxisch sind.

Lest die Labels auf der Vorder- und Rückseite

Bei allen Make-up und Hautpflegeprodukten werden Zutaten auf der Verpackung aufgelistet. Je länger und komplexer die Liste, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass das Produkt rein natürlich oder organisch ist. In Deutschland gibt es das Zertifikat NATRUE (www.natrue.org). Wenn Du das Siegel auf einem Produkt siehst, bedeutet es, dass die Marke ihre Rohstoffe nach diesen streng kontrollierten Vorschriften anbauen und beschaffen. Social Media hat auch geholfen, dass Transparenz in der Kommunikation immer bedeutender wird.

Kenne die Zutaten

Crems, Gels oder auf Wasser basierende Produkte benötigen starke Konservierungsstoffe um microbiotische Verunreinigungen fernzuhalten und die Haltbarkeit zu verlängern. Deswegen sind diese Produktarten sehr unwahrscheinlich organisch – auch entgegen anderer Aussagen. Pflanzliche Butter und natürliche Öle sind gute Alternativen und Öle wie Teebaum, Rosmarin oder Neem werden oft für Hautpflegemittel als Ersatz für Parabene verwendet. Sind Produkte tatsächlich zu 100% organisch oder natürlich, ist die Haltbarkeit geringer. Wenn ein Produkt stark schäumt, besteht die Chance, dass es SLS (Sodium Lauryl Sulfat) beinhaltet, ein in vielen Ländern verbotenes Tensid.

Wenn Styling-Produkte einen besonderen Glanz und Halt verursachen, sind wahrscheinlich in vielen Haar- und Hautpflegeprodukten Dimethicone oder Silikone verantwortlich. Tipp: Silikone kann man im Selbsttest erkennen, wenn nach einigen Anwendungen die Haare trockener werden. Andererseits sind Silikone natürlich und oft in Make-up vorzufinden. Titaniumdiox, das sich chemisch anhört aber natürlich ist, ist in vielen Hautpflegeprodukten vorzufinden und ist gut für Lichtschutz. Soda Bicarbonat ist ein sicherer synthetischer Ersatz in Deodorants.

Bleib dir selbst treu

Alle antworten habe ich noch nicht gefunden. Ich probiere neue Sachen aus und folge meinem Instinkt. Wenn Produkte umweltfreundlich sind (beispielsweise ohne Kunststoffperlen auskommen) rechne ich das hoch an. Wenn das Himalayagebirge oder die Anden Gefahr laufen leer gepflückt zu werden, greife ich lieber auf synthetische Mittel zurück. Wenn eine Marke sich als natürlich, organisch und frei von Toxinen darstellt aber die Verpackung aus billigem Plastik sind, stellen sich viele Fragen. Zieht Plastik nicht nach und nach in das Produkt ein? Am Ende des Tages ist die Achtsamkeit auf natürliche vegane und organische Produkte eine Entscheidung über den Lifestyle. Entscheidungen darüber werden täglich getroffen, nicht nur bei Make-up und Hautpflegeprodukten. Wichtig ist, dass man – wenn man sich für den Lifestyle entscheidet – sein Commitment einhält.

 

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